

Gibt es eine Krebsdiät?
„Nahrung soll Eure Medizin und Medizin Eure Nahrung sein“ (Hippokrates von Kos 460 bis 375 vor Christus)
Nahezu jeder Artikel über die Ernährung von Krebspatienten
beginnt oder endet mit dem Satz „Es gibt keine Krebsdiät“. Seit
langem ist bekannt und durch epidemiologische Studien abgesichert,
wie eine Kost zur Senkung des Tumorrisikos von Gesunden gestaltet
werden sollte (siehe 5. Auflage der Ernährungsbroschüre der
Sonnenberg-Klinik). Aber lässt sich durch die Ernährung auch der
Verlauf einer fortgeschrittenen Krebserkrankung beeinflussen? Siehe
auch meinen Internetbeitrag:
"Ernährung bei Krebs"
Wir wissen durch wissenschaftliche Untersuchungen seit vielen Jahren, dass Tumoren Glukose dreißig Mal mehr aufnehmen als gesunde Gewebe und diese zu Milchsäure verstoffwechseln (Holm, Stoffwechsel und Ernährung bei Tumorkrankheiten 2007). Dagegen werden freie Fettsäuren vermehrt in peripheren Geweben verbrannt. Hieraus leitet sich eine metabolisch adaptierte Ernährung mit hohem Fettanteil (ca. 50 - 60 % Fett als Nichteiweißenergie) in der Ernährung von Tumorkranken ab.
Neue Forschungsergebnisse haben die Hypothese des Deutschen Nobelpreisträgers Prof. Otto Heinrich Warburg (1883 bis 1970) bestätigt. Er stellte fest, dass Krebszellen Zucker ohne Sauerstoff zu Milchsäure vergären. Warum die Krebszellen den Zucker nicht weiter verwerten können, konnte er allerdings nicht erklären. Der deutsche Krebsforscher Dr. Johannes Coy hat jetzt ein Enzym entdeckt (TKTL-1 = Transketolaselike-1 Enzym), das mit dem Gärungsstoffwechsel einen Selektionsvorteil für die Tumorzellen darstellt. TKTL-1 positive Tumoren können nur Zucker vergären, aber nicht Fettsäuren zur Energiegewinnung nutzen. Dies führt zur Anreicherung von Milchsäure im Tumorgewebe mit erhöhtem Metastasierungsrisiko und geringerem Ansprechen von Chemo- und Strahlentherapie.
Inzwischen lässt sich am Tumorgewebe der Gehalt an TKTL-1 bestimmen. Ziel der Forschung ist es jetzt, ein Medikament zu entwickeln, dass gezielt den TKTL-1-Glukosestoffwechsel blockiert.
Da TKTL-1 positive Tumoren abhängig von der Zuckerversorgung sind, erscheint eine Einschränkung von Zucker und Kohlenhydraten in der Ernährung sinnvoll. Der Zuckerstoffwechsel wird durch Insulin reguliert. Sinkt der Blutzuckerspiegel, wird weniger Insulin abgegeben, die Glykogenspeicher werden entleert und der Körper nutzt Ketonkörper aus Fettsäuren zur Energiegewinnung. In dieser Situation wird wegen des Insulinmangels kein Blutzucker an die Zellen abgegeben.
Diese neuen wissenschaftlichen Ergebnisse bestätigen zum Teil das naturheilkundliche Konzept von Dr. Johanna Budwig (1908 bis 2003), die eine öl- und proteinreiche Ernährung zur Unterstützung der Krebstherapie vorgeschlagen hat. Sie empfahl besonders Leinsamen, kalt gepresstes Leinöl, Hüttenkäse, Gemüse und Salate zur Ernährung Krebskranker. Der Budwigquark (siehe Rezept in der Ernährungsbroschüre der Sonnenberg-Klinik) ist seit vielen Jahren Bestandteil der Ernährung in der Sonnenberg-Klinik.
Zur Unterstützung der Tumortherapie erscheint unter diesen Aspekten eine zuckerfreie und kohlenhydratarme Ernährung mit hohem Anteil von Proteinen und pflanzlichen Ölen mit hohem Omega-3-Fettsäuregehalt geeignet. Kenntnisse zur Öl-Eiweißkost bei Tumorkrankheit werden in der Ernährungsberatung in der Sonnenberg-Klinik vermittelt. Zur Hilfe bei der Kostumstellung hat die Firma Evomed spezielle Lebensmittel (Tavarlin) entwickelt, die die Umsetzung des Ernährungskonzeptes erleichtern.
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Ihr Prof. Dr. med. Manfred E.
Heim
Facharzt für Innere Medizin
Hämatologie und Internistische Onkologie
Physikalische und Rehabilitative Medizin
Rehabilitationswesen, Sportmedizin.
Chefarztsekretariat
Frau Müller
Telefon
05652 54-916
Fax 05652 54-200
E-Mail: mueller@sonnenberg-klinik.de

Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner
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Aktualisiert am 02.08.2011