

Gezieltes Bewegungstraining bei Krebs und chronischem Fatigue-Syndrom
Chronische Müdigkeit und Erschöpfung belasten viele Krebspatienten während und oft auch noch lange nach der Tumortherapie. Die Gründe hierfür sind vielfältig, eine gezielte Behandlung der Ursachen ist nicht immer möglich. Untersuchungen haben gezeigt, dass nach Krebsbehandlung die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt ist. Der Herzschlag ist in Ruhe erhöht, der maximale Herzschlag unter Belastung vermindert, die Sauerstoffaufnahme reduziert und die Muskelkraft oft vermindert. Der gut gemeinte Ratschlag, sich in dieser Situation bei Müdigkeit auszuruhen und körperlich zu schonen kann fatale Folgen haben. Bereits kurzfristige Bettruhe kann zu Muskelabbau führen. Dagegen konnten Weltraummediziner nachweisen, dass gezieltes Bewegungstraining den Muskelabbau in der Schwerelosigkeit verhindern kann.
1. Warum körperliches Bewegungstraining?
Studien mit individuell dosiertem Programm für Bewegungstraining bei Krebspatienten konnten zahlreiche positive Wirkungen nachweisen. Neben einer verbesserten körperlichen Leistungsfähigkeit war auch eine Verminderung von Müdigkeit und Erschöpfung, Besserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und des psychomentalen Befindens nachweisbar. Ein gezieltes körperliches Bewegungstraining während der Krebsbehandlung führt zu einer Abnahme von Nebenwirkungen wie Blutbildungsstörungen, Übelkeit oder chronische Erschöpfung. Bei chronischem Fatiguesyndrom ist ein strukturiertes Programm für körperliches Bewegungstraining die derzeit erfolgversprechendste Behandlungsmethode.
2. Voraussetzungen und Vorbereitungen
für körperliches Bewegungsstraining bei
chronischem
Fatiguesyndrom
Ursachen für ein chronisches Fatiguesyndrom, die medizinisch zu
behandeln sind, wie z.B. Anämie oder hormonelle Störungen, sollten
primär ausgeschlossen werden. Vor Aufnahme des körperlichen
Bewegungstraining s bei chronischem Fatiguesyndrom sollte eine
medizinische/sportmedizinische Untersuchung erfolgen. Hierbei sind
Vorerkrankungen, Begleiterkrankungen, Risikofaktoren wie Hochdruck,
Diabetes mellitus oder Übergewicht und die erfolgte Krebsbehandlung
zu berücksichtigen. Die Einschätzung der Eingangsbelastung für das
Bewegungstraining ist abhängig von der Muskel- und
Gelenkbelastbarkeit, dem Ernährungszustand, der
Herz-Lungen-Funktion und dem sportlichen Trainingszustand vor der
Erkrankung. Das körperliche Leistungsvermögen kann durch die
maximale Sauerstoffaufnahme pro Minute, die maximale Herzfrequenz
oder auch die subjektiv empfundene Anstrengung (Borg-Skala)
bestimmt werden.
Während das Ausdauertraining (Muskelanspannung mit
Bewegung) die Herz-Lungen-Leistungsfähigkeit steigert, kommt es bei
Muskelanspannung ohne oder mit nur geringer Bewegung (isometrisches
Training, Krafttraining) zur Erhöhung der Muskelkraft.
3. Welche körperliche Aktivität kommt für mich als Bewegungstraining in Frage?
Je nach Vorliebe und möglichen Einschränkungen bzw.
Behinderungen kommen für die körperliche Aktivität alle
Ausdauersportarten und ergänzend ein den persönlichen Bedürfnissen
entsprechendes Krafttraining in Frage. Geeignete Ausdauersportarten
sind Gehen, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Inlineskaten oder
Langlaufski. Genaue Abstufungen der Belastungen können am
Fahrradergometer oder Laufband erfolgen. Die Belastungsintensität
sollte ohne Sauerstoffschuld, d.h. aerob erfolgen. Eine leicht
meßbare Größe ist der Herzschlag, der relativ proportional zur
Sauerstoffaufnahme ist. Die Trainingsherzfrequenz zur Steigerung
der Ausdauer sollte etwa 60 bis 80 % des Maximalherzschlags
betragen (annähernd 180 - Lebensalter). Pulskontrollen können auch
durch elektronische Pulsmesser erfolgen.
Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass auch Krafttraining bei
Krebspatienten Fatigue reduzieren und die Lebensqualität verbessern
kann. Krafttraining für die wichtigsten Muskelgruppen kann in einem
qualifizierten Fitness-Studio unter Anleitung oder als Heimtraining
mit dem eigenen Körpergewicht als Widerstand durchgeführt werden.
Auch hier sollten Sie sich von Ihrem Arzt vor Aufnahme des
Trainings beraten lassen. Geeignete Empfehlungen für
Bewegungstraining finden Sie auch im Buchhandel. Idealerweise
sollte dynamisches und isometrisches Bewegungstraining kombiniert
werden.
4. Plan für das Bewegungstraining
Vor Aufnahme des körperlichen Bewegungstraining s ist nach
Angaben des Arztes und Sporttherapeuten ein Trainingsplan
aufzustellen. Zur Kontrolle sollte ein Trainingstagebuch mit
Angaben zur subjektiven Befindlichkeit (Erschöpfung, Muskelkater
usw.) und zum Belastungs- und Erholungspuls geführt werden. Es
empfiehlt sich ein individuell dosiertes Ausdauertraining ca. 3 bis
5 mal pro Woche in Form eines Intervalltrainings. Bei nur geringer
initialer Belastbarkeit wird zunächst nur ein bis drei Minuten mit
60 bis 80 % der maximalen Herzfrequenz trainiert, anschließend
Erholungspause und Wiederholung. Die Belastung wird wöchentlich um
drei Minuten Dauer gesteigert, bis zu einer Ausdauerbelastung von
30 bis 40 Minuten. Eine Pause beim Bewegungstraining ist einzulegen
bei Schmerzen, Versteifung, Erschöpfung oder Infektion. Vor
Aufnahme des körperlichen Bewegungstraining s sind grundsätzlich
Dehnungsübungen (Stretching) und eine Aufwärmphase (warm-up)
vorzuschalten. Dehnen und langsames Auslaufen schließen das
Bewegungstraining auch ab.
Es empfiehlt sich zum Erhalt der Muskulatur ca. 2 bis 3 x pro Woche
Übungen gegen Widerstand (Krafttraining für alle wichtigen
Muskelpartien) durchzuführen. Hierzu sind weder Maschinen noch
Hanteln erforderlich. Nach Dehnen und Aufwärmen (z.B. 5 Minuten
lockeres Laufen) werden 6 bis 9 Übungen mit jeweils 12
Wiederholungen durchgeführt. Nach den ersten Wochen und
Kraftzuwachs können dann die Wiederholungen gesteigert oder die
Gesamtdurchgänge häufiger durchgeführt werden.
Beispiele für das Bewegungstraining:
1. Rückenmuskulatur:
Im Sitzen bei seitwärts gestreckten Armen, Daumen nach unten werden
die Arme soweit wie möglich nach hinten geführt, Variation Arme
nach oben strecken, Daumen nach hinten, Schulterblätter
zusammenführen. Mit dem Rücken an einen Tisch lehnen, mit
durchgestreckten Armen abstützen, Kopf nach hinten und zwischen die
Schulterblätter bewegen.
2. Brust-Schulter-Muskulatur:
Liegestütz auf Knien oder klassischer Liegestütz.
3. Bauchmuskulatur:
In Rückenlage Kopf und Schultern leicht anheben, einen Arm nach
hinten strecken, gleichzeitig das Bein der selben Seite anwinkeln
und Knie hochziehen, das andere Bein ist gestreckt. Nun im Wechsel
strecken.
4. Oberschenkelmuskulatur:
Ausfallschritt, vorderer Fuß berührt den Boden, hinterer Fuß steht
auf der Ferse. Körper nach unten bewegen, bis vorderer Oberschenkel
waagerecht ist und das hintere Knie den Boden fast berührt.
5. Anspannung Muskulatur gegen Widerstand:
Halten Sie den rechten Unterarm mit der linken Hand fest und
spannen Sie kurz an, anschließend Armwechsel, beugen Sie gegen
Widerstand der anderen Hand im Handgelenk und strecken Sie gegen
Widerstand, stellen Sie sich in den Türrahmen, legen Sie den
angewinkelten Oberarm gegen die Wand und spannen Sie mit dem großen
Brustmuskel jeweils im Wechsel an usw.
5. Auswirkungen des Bewegungstraing`s
Ein gezieltes Programm für das körperliche Bewegungstraining nach Krebserkrankung kann die körperliche Dekonditionierung reduzieren, die Fatiguesymptomatik vermindern und Belastbarkeit, psychisches Befinden und den immunologischen Status verbessern. Darüber hinaus bestehen günstige Wirkungen in der primären Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen und verschiedenen Krebserkrankungen. Körperliche Aktivität verlängert nicht nur das Leben, sondern verbessert auch die Lebensqualität.
Anleitungen zum gezielten körperlichen Bewegungstraining mit Aufstellung eines Trainingsplans erhalten Sie auch im Rahmen einer stationären Rehabilitation in der Sonnenberg-Klinik. Sporttherapeuten kontrollieren Ihren Therapieerfolg und geben Ihnen Empfehlungen für die Fortführung des häuslichen Bewegungstraining `s.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Freude bei der Bewegung.
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Chefarztsekretariat
Frau Müller
Telefon
05652 54-916
Fax 05652 54-200
E-Mail: mueller@sonnenberg-klinik.de

Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner
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Aktualisiert am 02.08.2011