

Das Chemogehirn

Was ist ein
Chemogehirn?
Probleme mit dem Gedächtnis und der Konzentration sowie ein allgemeines Gefühl, geistig nicht mehr wie früher zu funktionieren, werden umgangssprachlich als Chemogehirn bezeichnet. In der Fachsprache wird von „kognitiven Defiziten“ gesprochen. Wer unter einem oder mehreren der nachfolgenden Symptome leidet, hat vielleicht ein Chemogehirn und ist auf jeden Fall nicht allein damit:
Viele Patienten mit Chemogehirn nehmen diese
Symptome während der Chemotherapie wahr. Nach einem Jahr lassen sie
nach oder verschwinden ganz. Bei einigen Patienten kann das
Chemogehirn allerdings jahrelang bestehen bleiben.
Chemogehirn: Mögliche Ursachen
Die genauen Ursachen dieser Symptome sind nicht
bekannt, insbesondere, wenn sie länger als ein Jahr andauern. Es
gibt aber eine Reihe behandelbarer Faktoren, die eventuell eine
Rolle spielen, wie z.B.:
• Niedrige Blutwerte (der roten Blutkörperchen)
• Stress
• Depressionen
• Angst
• Fatigue/ schwere Erschöpfung
• Schlafstörungen
• Medikamente zur Behandlung von Nebenwirkungen
• Hormonelle Änderungen, die in Zusammenhang mit der Krebstherapie
stehen
Obwohl man die Ursachen für das Chemogehirn oft nicht kennt oder
nicht schnell beheben kann, gibt es viele Möglichkeiten, die
Konzentration und das Gedächtnis zu verbessern. Hier geben wir
Ihnen einige Anregungen. Aber Vorsicht: Verbissenes Üben führt
meistens nicht zu besseren Ergebnissen!
Chemogehirn: 1. Konzentration aufbauen
Seien Sie sich bewusst über äußere Ablenkungen
während einer Aufgabe und versuchen Sie, diese auszuschalten. Gehen
Sie z.B. nicht ans Telefon oder bitten Sie Ihre Familie, Sie
während einer Stunde nicht zu stören.
Insbesondere können Sie aber auch von inneren Ablenkungen wie
Gedanken, Gefühlen oder körperlichen Bedürfnissen bei der
Konzentration gestört werden.
Versuchen Sie, diese Ablenkungen bewusst wahrzunehmen. Wenn Sie zum
Beispiel bemerken, dass Sie hungrig sind, essen Sie etwas, bevor
Sie mit Ihren Aufgaben beginnen.
Chemogehirn: Tun Sie etwas gegen
Ablenkungen!
Stoppen Sie ablenkende Gedanken, sobald sie Ihnen bewusst werden.
Sie können das zum Beispiel tun, indem Sie den Gedanken bewusst zur
Kenntnis nehmen, und dann wieder zu Ihrer Aufgabe
zurückkehren.
Wenn Ihnen etwas einfällt, was Sie noch erledigen müssen, schreiben
Sie es auf! Dadurch haben Sie anschließend wieder einen freien
Kopf.
Chemogehirn: 2. Konzentration verbessern
Interessiert Sie das, was Sie tun? Wenn die Antwort
„nicht sehr“ lautet, versuchen Sie, Interesse aufzubauen.
Möglicherweise motiviert Sie die Vorstellung, eine Aufgabe erledigt
zu haben.
Teilen Sie Aufgaben in kleinere Abschnitte. Dadurch haben Sie
häufiger das Gefühl, eine Aufgabe erledigt zu haben.
Planen Sie Pausen ein!
Sie sind keine Maschine. Ein Spaziergang oder eine Mittagspause
helfen, den Kopf wieder frei zu bekommen.
Benutzen Sie einen Bleistift oder einen Marker, wenn Sie lesen.
Dann sind Sie aktiver bei der Sache.
Wenn Sie spüren, dass die Konzentration nachlässt, stehen Sie auf.
Jede kleine körperliche Aktivität unterbricht den Arbeitsprozess
und Sie können Ihre Aufmerksamkeit danach wieder auf Ihre Aufgabe
richten.
Variieren Sie Ihre Aufgaben. Ein Wechsel tut so gut wie eine
Pause.
Chemogehirn: 3. Konzentrationsgewohnheiten
entwickeln
Konzentration muss, wie jede andere Fähigkeit auch,
gelernt, geübt und weiter entwickelt werden.
Wie lange können Sie sich konzentrieren? Finden Sie es heraus,
indem Sie festhalten, wann Sie mit einer Aufgabe beginnen, und wann
Ihre Konzentration nachlässt.
Finden Sie eine regelmäßige Tageszeit, zu der es Ihnen am besten
gelingt, sich zu konzentrieren und Aufgaben zu erledigen.
Unter welchen Bedingungen können Sie sich am besten konzentrieren
(z.B. ein aufgeräumter Schreibtisch, gutes Licht, angenehme Musik
im Hintergrund…)? Überlegen Sie, was für Sie zu einer
konzentrationsfördernden Atmosphäre gehört.
Schließen Sie eine Aufgabe ab, bevor Sie mit der nächsten
beginnen!
Wenn die Konzentration nachlässt, gönnen Sie sich eine Pause; Sie
werden sehen, nach 15-20 Minuten geht es oft wieder besser.
Chemogehirn: 4. Erinnerung fördern
Sie sollten immer einen Notizblock griffbereit
haben. Führen Sie z.B. Einkaufs- oder Erledigungslisten.
Notieren Sie sich Ihre Medikamente, Namen, an die Sie sich erinnern
möchten oder ganz alltägliche Dinge, wie z.B. wo Sie Ihr Auto
geparkt haben.
Weitere Dinge, die Sie aufschreiben können:
Treiben Sie Sport, essen Sie gesund und achten Sie
auf ausreichend Erholung und Schlaf.
Benutzen Sie einen Wandkalender, um an Verabredungen und andere
wichtige Erledigungen zu denken- oder heften Sie einen Zettel an
den Kühlschrank oder an den Badezimmerspiegel.
Wiederholen Sie Informationen, die Sie von anderen Personen
bekommen, laut, und schreiben Sie die wichtigsten Punkte auf.
Kontrollieren Sie, was Sie aufgeschrieben haben, um sicherzugehen,
dass Sie die richtigen Wörter benutzt haben.
Chemogehirn: Trainieren Sie Ihr
Gedächtnis!
Machen Sie Kreuzworträtsel und lösen Sie Denksportaufgaben, oder
gehen Sie zu einem interessanten Vortrag.
Wenn Sie z.B. oft Ihren Schlüsselbund verlegen, nehmen Sie sich
Zeit, darüber nachzudenken! Stellen Sie sich bildlich vor, was Sie
üblicherweise tun, wenn Sie ihn ablegen. Sagen Sie außerdem laut
und deutlich zu sich selbst: „Ich lege jetzt den Schlüsselbund auf
die Kommode.“ Dann sehen Sie ihn an und wiederholen Sie
„Schlüsselbund auf der Kommode.“
Chemogehirn: Das Hören von Information regt Ihr Gedächtnis
zusätzlich an!
Abhängig davon, wie offen Sie mit privaten Angelegenheiten umgehen,
können Sie Freunde und Angehörige darüber aufklären, was Sie
zurzeit durchmachen und dass Sie zur Zeit Dinge vergessen, die Sie
normalerweise nicht vergessen würden. Ihre Freunde und Angehörigen
können Sie so besser verstehen und Ihnen ggf. helfen und Sie
ermutigen.
Chemogehirn: 5. Hilfe durch Fachleute
Wenn Ihre Symptome Sie weiterhin ängstlich oder
traurig machen, scheuen Sie sich nicht davor, professionelle Hilfe
in Anspruch zu nehmen. Dies gilt auch, wenn ein Jahr nach der
Chemotherapie vergangen ist und Ihre eigenen Bemühungen die
Beschwerden noch nicht bessern konnten. Psychoonkologen haben eine
spezielle Ausbildung, u.a. auch für Bereiche wie Aufmerksamkeit,
Lernen, Organisation und Gedächtnis. Diese Fachleute können prüfen,
ob es behandelbare Probleme, wie z.B. Depression, Angst, Fatigue
oder Medikamentennebenwirkungen bei Ihnen gibt. Sie identifizieren
Bereiche, in denen Sie Hilfe benötigen, aber auch Ihre
individuellen Stärken. Anschließend schlägt Ihnen der/die
PsychoonkologIn wahrscheinlich Maßnahmen zur Behandlung vor.
Meistens bedeutet das, an Ihren individuellen Problemfeldern zu
arbeiten, und einen Plan zu entwickeln, um die Bewältigung des
täglichen Lebens zu verbessern. Es kann darüber hinaus hilfreich
sein, mit einem/einer SozialarbeiterIn zu sprechen oder eine
Selbsthilfegruppe zu kontaktieren.
Sollten ungewöhnlich schwere Einschränkungen bestehen, kann eine
neuropsychologische Untersuchung erforderlich sein. Ein/e
NeuropsychologIn führt besondere Tests durch und kann so klären, ob
schwerwiegende Hirnleistungsstörungen bestehen. Dies ist zum Glück
in aller Regel nach einer Chemotherapie nicht der Fall.
Dieser Artikel wurde durch Informationen der amerikanischen
Organisation „CancerCare“ angeregt. www.cancercare.org.
Chefarztsekretariat
Frau Müller
Telefon
05652 54-916
Fax 05652 54-200
E-Mail: mueller@sonnenberg-klinik.de

Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner
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Aktualisiert am 02.08.2011