

Angst bei Krebs
(Teil 3 der Serie "Psychoonkologie")
Teil 1 dieser Serie beschreibt die Belastungen durch die Krebserkrankung und in Teil 2 geht um das Thema - Krebs im Kontext der Familie
Angst vor Krebs als normale Reaktion des
Körpers
Angst ist biologisch gesehen eine Reaktion des Körpers, die uns in
gefährlichen Situationen hilft, kurzfristig handlungsfähig zu sein,
uns zu verteidigen oder gar die Flucht zu ergreifen. Wenn wir
Gefahren wahrnehmen oder sie uns vorstellen, schüttet der Körper
Hormone aus, die bewirken, dass das Blut aus dem Bauchraum in die
Muskeln umgeleitet wird, das Herz schneller schlägt und kurzfristig
das Immunsystem aktiviert wird. Angst gehört zu unserem Leben
natürlicherweise dazu und kann in bedrohlichen Situationen von
großem Nutzen sein. Wenn wir im Wald einem gefährlichen Tier
begegnen, ist es gut, wenn die Angst es uns ermöglicht, zu kämpfen
oder schnell davon zu laufen. Keine oder wenig Angst zu haben, kann
gefährlich sein, weil man dann dazu neigt, Risiken einzugehen, die
man sonst aus Angst vermeiden würden.
Die Angstreaktion in Gefahrensituationen ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt
Manche Menschen haben zuwenig Angst (vgl. Grimms Märchen „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“). Andere haben bereits im Alltag einen erhöhten Angst pegel. In Belastungssituationen kann dann aus einer gesunden Angst eine lähmende Angst werden und es kann eine Angst störung entstehen. Angst symptome sind häufig und oft auf bestimmte Situationen bezogen (enge Räume, Fliegen, Tunnel, Spinnen, Schlangen etc.). Wenn diese Störungen länger bestehen, kann es auch sein, dass das Gefühl der Angst nicht mehr wahrgenommen wird, sondern nur noch die Symptome der Angst wie Herzjagen, Herzbeklemmung, Schwindel, wackelige Knie, Übelkeit, Kälte- oder Hitzegefühl.
Wenn die Angst das Leben zu stark beeinträchtigt
Sollte das Leben durch Angst oder Angstsymptome erheblich eingeschränkt sein, dann ist eine psychologische Verhaltenstherapie zur Beseitigung der Angst symptome hilfreich. Dabei werden übende Verfahren eingesetzt und der Betroffene langsam an seine Angst herangeführt. Er lernt, sich der Angst und ihren Symptomen so lange auszusetzen bis die Symptome nachlassen.
Auch eine Krebskrankheit ist in der Regel mit dem Auftreten von starken Ängsten verbunden, insbesondere in der Phase der Diagnosestellung und bei einem Rückfall. Dabei kann die Angst durchaus– wie oben erläutert - von Nutzen sein: Sie kann einen dazu bringen, auf Beschwerden zu reagieren und diese durch Ärzte abklären zu lassen. Sie kann helfen, auch unangenehme Therapien durchzustehen und mit dem Körper behutsam umzugehen.
Auch wenn ein Betroffener schon lange als geheilt gilt, kann es – manchmal phasenweise und insbesondere nachts - vorkommen, dass starke Ängste auftreten. Was Angst einflössend wirkt, kann unterschiedlich sein: Schmerzen, Qualen, Verluste, Veränderungen, Abhängigkeit, Hilflosigkeit, Einsamkeit, der Tod im engeren Sinne, das Unbekannte. Es kann sinnvoll sein, zu überlegen, worauf sich die Angst am stärksten bezieht, um hier ggf. Abhilfe zu schaffen. So können z.B. Informationen dazu beitragen, Unsicherheit abzubauen. Auch Hoffnung ist ein starkes Angst abbauendes Mittel. Dabei kommt es nicht sosehr darauf an, wie realistisch die Hoffnung ist. Träume, Phantasiewelten und Alternative Behandlungsstrategien können in diesem Zusammenhang Schutzräume darstellen, um das Hier und Jetzt zu bewältigen.
Manche Betroffene „wählen“ (unbewusst) Verdrängungsstrategien, um die Angst erträglicher zu machen. Vielen Betroffenen gelingt es dabei erstaunlich gut, dennoch alles Nötige zu regeln. Aber auch wer nicht zu Verdrängung neigt, sondern die Angst bewusst zulässt und versucht, sie dosiert auszuhalten, kann dadurch Ängste abbauen. Die Angst wird kleiner, wenn wir „ihr ins Auge sehen“. Günstig ist es, wenn Angehörige oder Freunde zur Verfügung stehen, die Ruhe und Zuversicht ausstrahlen und dazu bereit sind, Ängste mit auszuhalten. Selbstverständlich ist es auch nützlich, Entspannungsverfahren und Ablenkungsstrategien zu beherrschen.
Wem es nicht gelingt, allein oder zusammen mit nicht-beruflichen
Helfern Ängste abzubauen, sollte sich nicht davor scheuen,
professionellen Rat, z. B. in einer Beratungsstelle oder bei einem
Psychoonkologen, einzuholen (Beratungsstellen siehe www.krebsinformation.de,
Psychoonkologen siehe www.dapo-ev.de).
Literaturempfehlung: Ines von Witzleben, Aljoscha A. Schwarz:
„Endlich frei von Angst“, Gräfe und Unzer Verlag 2004
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Dr. med. Peter Zürner
Internist und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin (in
Kooperation mit Dr. med. Ulrike Holtkamp, DLH-Patientenbeistand,
Internet: www.leukaemie-hilfe.de)
[Anmerkung: Die DLH will mit Hilfe ihrer regionalen
Mitgliedsgruppen erreichen, dass Angebote zur psychoonkologischen
Unterstützung – wie sie bereits für Kinder selbstverständlich sind
– auch im Erwachsenenbereich regelhaft und flächendeckend angeboten
werden.]
Weiterführende Informationen sowie eine Therapeutenliste sind im
Internet zu finden unter www.dapo-ev.de
(dapo = Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie
e.V.). Wer keinen Internetanschluss hat, kann sich auch an die
DLH-Geschäftsstelle, Thomas-Mann-Str. 40, 53111 Bonn, Tel.:
0228-39044-0 wenden.
Chefarztsekretariat
Frau Müller
Telefon
05652 54-916
Fax 05652 54-200
E-Mail: mueller@sonnenberg-klinik.de

Chefarzt PD Dr. med. Johannes Zahner
© 1997- Wicker-Gruppe |
Seite empfehlen |
Seitenübersicht |
Artikelübersicht |
Suche |
Aktualisiert am 02.08.2011