Wegmarken der psychoonkologischen Rehabilitation von Peter Zürner, Bad Sooden-Allendorf. Wegmarken aus Sicht des ärztlichen Psychotherapeuten. Wegmarken aus der Sicht des Patienten.
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Wegmarken der psychoonkologischen Rehabilitation
von Peter Zürner, Bad Sooden- Allendorf

Wegmarken aus Sicht des ärztlichen Psychotherapeuten

1.  Wo kommen wir her?

Psychoonkologie als Begleitung Tumorkranker.
Wer arbeitet psychoonkologisch? Alle die mit Tumorpatienten arbeiten.
Psychoonkologische Ziele - kontrovers und oft nicht klar formuliert:

  • Psychoonkologie als Intervention  mit dem Ziel das Überleben zu verlängern
  • Mit dem Ziel die Lebensqualität zu verbessern
  • Mit dem Ziel Belastung zu reduzieren
  • Mit dem Ziel Symptome zu behandeln
  • Mit dem Ziel sie neu zu orientieren
  • Mit dem Ziel Beziehungen zu optimieren
  • Mit dem Ziel den Patienten an Entscheidungen angemessen zu beteiligen

2. Welche Aufgaben leisten wir zur Zeit in der stationären Rehabilitation

(als Vertragsklinik der Deutschen Rentenversicherung)

  • Informations und Schulungsprogramm
  • Entspannungs/Stressbewältigungstraining
  • Interaktive Gruppen zur Unterstützung der Krankheitsbewältigung
  • Edukative Gruppen zur Symptomreduktion bei Angst, Depression, Schlafstörungen
  • Gruppe mit dem Fokus „meinen eigenen Weg finden“
  • Gruppe zur Förderung der Körperwahrnehmung mit dem Fokus
  •       "positive" Erfahrungen sammeln
  • Gruppe zur Förderung der Wiedereingliederung in Beruf und häuslichen Alltag
  • Gruppe  mit dem Fokus mit kognitiven und konzentrativen Einschränkungen Umgehen lernen
  • Kreativtherapie….

3. Wie sieht unsere Zukunft aus

Es kommen evidenzbasiere Therapiemodule.

Darin wir die Häufigkeit psychoonkologischer Interventionen pro Patient und Aufenthalt festgelegt und  auch ein Prozentsatz angegeben welcher Anteil der Patienten diese Intervention erhalten soll.

In der stationären Rehabilitation werden Leistungen nach dem KTL System abgerechnet . Dieses wird zur Zeit überarbeitet.
In der überarbeiteten Fassung kann dann der Rehaprozess minutiös abgebildet werden.
Gleichzeitig wird die Patientenbefragung der  DRV neu gestaltet.
Hier werden die Patienten nicht mehr nur nach subjektiven Parametern befragt sondern auch nach nachprüfbaren Parametern.
Wann war die Aufnahmeuntersuchung, die erste Behandlung.
Wie oft sind Angebote ausgefallen, haben die Therapeuten gewechselt.
Wie sind Sie beraten wurden?
Wurden Sie auf die Zeit nach der Rehabilitation vorbereitet?

Gleichzeit werden „evidenzbasierte“ Rehaleitlinien für Frauen mit Brustkrebs erarbeitet. Während diese Aktivitäten zu einer Verdichtung und Standardisierung der psychoonkologischen Angebote führen, reduzieren sich die Spielräume der Therapeuten.

Unser Haus hat nach Jahren mit stabilen Tagessätzen jetzt zweimal auf Anraten der DRV ihren Tagessatz gesenkt. So  fällt es uns immer schwerer ein individuelles Gesicht zu bewahren.

Wegmarken aus der Sicht des Patienten

Beispiel nach Primärbehandlung mit kurativer Intention.

1. Nach Abschluss der Primärbehandlung verändert sich die Perspektive

  • Während der Behandlung Beschäftigung mit: Was steht als nächstes an?
  • Nach Abschluss der Behandlung:
    • I. Wo stehe ich jetzt?
    • II. Was ist mit mir passiert?
    • III. Wie geht es weiter?
    • IV. Kann ich wie erhofft mein altes Leben wiederaufnehmen?

2. Vor einer Rehabilitation steht die Bestandsaufnahme

  • Wie steht es mit meinen körperlichen Kräften?
  • Mit welchen körperlichen Einschränkungen muß ich umgehen lernen?
  • Mit welchen kognitiven Einschränkungen muß ich umgehen lernen
  • Wie halte ich es aus wahrzunehmen, dass vieles nicht so ist, wie ich es gewohnt war?
  • Wie gehe ich mit unangenehmen körperlich/ psychischen Symptomen um?
    • I. Angst
    • II. Depressive Verstimmung
    • III. Schlafstörung
  • Wie ist meine soziale und berufliche Situation?

3. Die Definition von kurzfristigen, mittelfristigen und längerfristigen Rehazielen

a. Ankommen im Hier und Jetzt: Die Behandlung ist abgeschlossen und nun?

  • I. Viele warten sehnsüchtig auf das Ende der Behandlung und hoffen, dass dann alles wieder gut ist und wundern sich, dass oftmals das Gefühl der Erschöpfung, Schwäche und der depressiven Verstimmung überwiegt. - Das Ende der Behandlung ist nicht der Wiedereintritt in das alte Leben
  • II. Wahrnehmen lernen, was kann ich leisten und wie kann ich aufs neue Kräfte sammeln?
    • 1. Häufig werden alte jahrzehntelang bewährte Muster aktiviert, manches funktioniert wieder, anderes scheitert und neue Strategien müssen erlernt werden.
    • 2. Rehaziele abstimmen lernen auf den jeweils aktuellen Kräftestand als Alltagsübung einführen
  • III. Stimmungs- und Kräfteschwankungen, Müdigkeit, körperliche und kognitive Einschränkungen als gegeben wahrnehmen lernen und auf dem aufbauen, was gerade ist und nicht auf dem, wie es eigentlich sein soll.

b. Positive Erfahrungen sammeln als Gegengewicht zu den vielen Einschränkungen und Defiziten

  • I. Körperorientierte Verfahren wie Tai Chi , Yoga, Tanztherapie,
  • II. Kreative Verfahren wie Kunsttherapie Musiktherapie

c. Reduktion der während der Erkrankung und Behandlung entstandenen psychosozialen Belastung.

  • I. Thematisieren der subjektiven Erkrankungs- und Heilungsvorstellungen
  • II. Entwickeln von Bewältigungsstrategien zum Umgehen mit Angst, depressiver Verstimmung , Schlafstörungen, Fatigue etc.
  • III. Information über soziale Sicherungssysteme und die Möglichkeiten der Unterstützung bei einer beruflichen Wiedereingliederung
  • IV. Soweit erforderlich Ergänzung der medizinischen Informationen
  • V. Angeleiteter Erfahrungsaustausch der Patienten mit dem Basistenor: Die Krankheit und der Krankheitsverlauf jedes Patienten ist einzigartig
  • VI. Information über Beratung Selbsthilfe wie z. B. durch DLH

d. Abstimmen eines Therapie und Trainingsplanes

  • I. Körperliches Trainingsprogramm mit täglich 2-4 Einheiten und entsprechenden Regenerationspausen
  • II. Evtl. Hirnleistungstraining
    • 1. Vorsicht verbissenes Training hat häufig keinen Nutzen
    • 2. Im Vordergrund stehen das Erlernen von Bewältigungstrategien Mit denen Einschränkungen ausgeglichen werden können
  • III. Soziales und kommunikatives Training
    • 1. Bei Störung von Körperbild und kommunikativen Funktionen
      • a. Kommunikationstraining
      • b. Eventuell gemeinsam mit Therapeuten ins Cafe gehen
      • c. Telefontraining etc.
    • 2. Hilfe bei der Wiedereingliederung im häuslichen Alltag und Beruf
      • a. Wie reagiere ich auf Hilflosigkeit und Unsicherheit in meiner Umgebung
      • b. Wie reagiere ich auf Fragen nach meiner Erkrankung:
        • i. Wem erzähle ich was
        • ii. Wem erzähle ich nichts
        • iii. Wie vermeide ich dass diese Gespräche mich allzusehr belasten

e. Wie erkläre ich meiner Umgebung dass meine Kräfte weiterhin vermindert sind und ich nicht ohne weiteres so funktioniere wie zuvor

  • I. Wie gehe ich mit belastenden realen oder befürchteten Konflikten zu Hause oder am Arbeitsplatz um.
  • II. Wie lerne ich auf meine Kräfte mit meinen Tätigkeiten so abzustimmen, dass nicht allzu viele Misserfolgserlebnisse auftreten

4. Implementieren von als hilfreich erlebten Verhaltensänderungen in den neuen Alltag

  • I. Frühzeitig bei Überlastung Pausen einlegen
  • II. Zeit für körperliches Training und psychische Regeneration terminieren
  • III. Angehörige/ Freunde beauftragen auf frühe Überlastungssymptome zu achten und diese deutlich rückzumelden
  • IV. Am Arbeitsplatz prüfen: was sind die geforderten Aufgaben und wie können diese möglichst kräftesparend umgesetzt werden
  • V. Wenn kognitive Einschränkungen bestehen
    • 1. mit welchen Bewältigungsstrategien können Einschränkungen ausgeglichen werden
      • a. Zum Beispiel bei Kurzzeitgedächtnisstörungen optimale Dokumentation zeitnah…

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