Wegmarken aus Sicht des ärztlichen Psychotherapeuten
1. Wo kommen wir her?
Psychoonkologie als Begleitung Tumorkranker.
Wer arbeitet psychoonkologisch? Alle die mit Tumorpatienten
arbeiten.
Psychoonkologische Ziele - kontrovers und oft nicht klar
formuliert:
- Psychoonkologie als Intervention mit dem Ziel das
Überleben zu verlängern
- Mit dem Ziel die Lebensqualität zu verbessern
- Mit dem Ziel Belastung zu reduzieren
- Mit dem Ziel Symptome zu behandeln
- Mit dem Ziel sie neu zu orientieren
- Mit dem Ziel Beziehungen zu optimieren
- Mit dem Ziel den Patienten an Entscheidungen angemessen zu
beteiligen
2. Welche Aufgaben leisten wir zur Zeit in der stationären
Rehabilitation
(als Vertragsklinik der Deutschen Rentenversicherung)
- Informations und Schulungsprogramm
- Entspannungs/Stressbewältigungstraining
- Interaktive Gruppen zur Unterstützung der
Krankheitsbewältigung
- Edukative Gruppen zur Symptomreduktion bei Angst, Depression,
Schlafstörungen
- Gruppe mit dem Fokus „meinen eigenen Weg finden“
- Gruppe zur Förderung der Körperwahrnehmung mit dem Fokus
- "positive" Erfahrungen
sammeln
- Gruppe zur Förderung der Wiedereingliederung in Beruf und
häuslichen Alltag
- Gruppe mit dem Fokus mit kognitiven und konzentrativen
Einschränkungen Umgehen lernen
- Kreativtherapie….
3. Wie sieht unsere Zukunft aus
Es kommen evidenzbasiere Therapiemodule.
Darin wir die Häufigkeit psychoonkologischer Interventionen pro
Patient und Aufenthalt festgelegt und auch ein Prozentsatz
angegeben welcher Anteil der Patienten diese Intervention erhalten
soll.
In der stationären Rehabilitation werden Leistungen nach dem KTL
System abgerechnet . Dieses wird zur Zeit überarbeitet.
In der überarbeiteten Fassung kann dann der Rehaprozess minutiös
abgebildet werden.
Gleichzeitig wird die Patientenbefragung der DRV neu
gestaltet.
Hier werden die Patienten nicht mehr nur nach subjektiven
Parametern befragt sondern auch nach nachprüfbaren
Parametern.
Wann war die Aufnahmeuntersuchung, die erste Behandlung.
Wie oft sind Angebote ausgefallen, haben die Therapeuten
gewechselt.
Wie sind Sie beraten wurden?
Wurden Sie auf die Zeit nach der Rehabilitation vorbereitet?
Gleichzeit werden „evidenzbasierte“ Rehaleitlinien für Frauen mit
Brustkrebs erarbeitet. Während diese Aktivitäten zu einer
Verdichtung und Standardisierung der psychoonkologischen Angebote
führen, reduzieren sich die Spielräume der Therapeuten.
Unser Haus hat nach Jahren mit stabilen Tagessätzen jetzt zweimal
auf Anraten der DRV ihren Tagessatz gesenkt. So fällt es uns
immer schwerer ein individuelles Gesicht zu bewahren.
Wegmarken aus der Sicht des Patienten
Beispiel nach Primärbehandlung mit kurativer
Intention.
1. Nach Abschluss der Primärbehandlung verändert sich die
Perspektive
2. Vor einer Rehabilitation steht die
Bestandsaufnahme
-
Wie steht es mit meinen körperlichen
Kräften?
-
Mit welchen körperlichen Einschränkungen muß ich
umgehen lernen?
-
Mit welchen kognitiven Einschränkungen muß ich
umgehen lernen
-
Wie halte ich es aus wahrzunehmen, dass vieles
nicht so ist, wie ich es gewohnt war?
-
Wie gehe ich mit unangenehmen körperlich/
psychischen Symptomen um?
-
- I. Angst
- II. Depressive Verstimmung
- III. Schlafstörung
-
Wie ist meine soziale und berufliche
Situation?
3. Die Definition von kurzfristigen,
mittelfristigen und längerfristigen Rehazielen
a. Ankommen im Hier und Jetzt: Die Behandlung ist abgeschlossen
und nun?
- I. Viele warten sehnsüchtig auf das Ende der Behandlung und
hoffen, dass dann alles wieder gut ist und wundern sich, dass
oftmals das Gefühl der Erschöpfung, Schwäche und der depressiven
Verstimmung überwiegt. - Das Ende der Behandlung ist nicht der
Wiedereintritt in das alte Leben
- II. Wahrnehmen lernen, was kann ich leisten und wie kann ich
aufs neue Kräfte sammeln?
-
- 1. Häufig werden alte jahrzehntelang bewährte Muster aktiviert,
manches funktioniert wieder, anderes scheitert und neue Strategien
müssen erlernt werden.
- 2. Rehaziele abstimmen lernen auf den jeweils aktuellen
Kräftestand als Alltagsübung einführen
- III. Stimmungs- und Kräfteschwankungen, Müdigkeit, körperliche
und kognitive Einschränkungen als gegeben wahrnehmen lernen und auf
dem aufbauen, was gerade ist und nicht auf dem, wie es eigentlich
sein soll.
b. Positive Erfahrungen sammeln als Gegengewicht zu den vielen
Einschränkungen und Defiziten
- I. Körperorientierte Verfahren wie Tai Chi , Yoga,
Tanztherapie,
- II. Kreative Verfahren wie Kunsttherapie Musiktherapie
c. Reduktion der während der Erkrankung und Behandlung
entstandenen psychosozialen Belastung.
- I. Thematisieren der subjektiven Erkrankungs- und
Heilungsvorstellungen
- II. Entwickeln von Bewältigungsstrategien zum Umgehen mit
Angst, depressiver Verstimmung , Schlafstörungen, Fatigue etc.
- III. Information über soziale Sicherungssysteme und die
Möglichkeiten der Unterstützung bei einer beruflichen
Wiedereingliederung
- IV. Soweit erforderlich Ergänzung der medizinischen
Informationen
- V. Angeleiteter Erfahrungsaustausch der Patienten mit dem
Basistenor: Die Krankheit und der Krankheitsverlauf jedes Patienten
ist einzigartig
- VI. Information über Beratung Selbsthilfe wie z. B. durch
DLH
d. Abstimmen eines Therapie und Trainingsplanes
- I. Körperliches Trainingsprogramm mit täglich 2-4 Einheiten und
entsprechenden Regenerationspausen
- II. Evtl. Hirnleistungstraining
-
- 1. Vorsicht verbissenes Training hat häufig keinen Nutzen
- 2. Im Vordergrund stehen das Erlernen von Bewältigungstrategien
Mit denen Einschränkungen ausgeglichen werden können
- III. Soziales und kommunikatives Training
-
- 1. Bei Störung von Körperbild und kommunikativen
Funktionen
-
- a. Kommunikationstraining
- b. Eventuell gemeinsam mit Therapeuten ins Cafe gehen
- c. Telefontraining etc.
- 2. Hilfe bei der Wiedereingliederung im häuslichen Alltag und
Beruf
-
- a. Wie reagiere ich auf Hilflosigkeit und Unsicherheit in
meiner Umgebung
- b. Wie reagiere ich auf Fragen nach meiner Erkrankung:
-
- i. Wem erzähle ich was
- ii. Wem erzähle ich nichts
- iii. Wie vermeide ich dass diese Gespräche mich allzusehr
belasten
e. Wie erkläre ich meiner Umgebung dass meine Kräfte weiterhin
vermindert sind und ich nicht ohne weiteres so funktioniere wie
zuvor
- I. Wie gehe ich mit belastenden realen oder befürchteten
Konflikten zu Hause oder am Arbeitsplatz um.
- II. Wie lerne ich auf meine Kräfte mit meinen Tätigkeiten so
abzustimmen, dass nicht allzu viele Misserfolgserlebnisse
auftreten
4. Implementieren von als hilfreich erlebten
Verhaltensänderungen in den neuen Alltag
- I. Frühzeitig bei Überlastung Pausen einlegen
- II. Zeit für körperliches Training und psychische Regeneration
terminieren
- III. Angehörige/ Freunde beauftragen auf frühe
Überlastungssymptome zu achten und diese deutlich rückzumelden
- IV. Am Arbeitsplatz prüfen: was sind die geforderten Aufgaben
und wie können diese möglichst kräftesparend umgesetzt werden
- V. Wenn kognitive Einschränkungen bestehen
-
- 1. mit welchen Bewältigungsstrategien können Einschränkungen
ausgeglichen werden
-
- a. Zum Beispiel bei Kurzzeitgedächtnisstörungen optimale
Dokumentation zeitnah…